Woher kommen die Waldenburger Töpfer?

Die Stadt Waldenburg gliedert sich in drei kleine Stadtteile, Oberstadt, Mittelstadt und Altstadt auf.
Die Stadt wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet. Um diese Zeit werden sich wohl die Töpfer in der Ober- und Mittelstadt niedergelassen haben. Die Geschichtsforschung hat festgestellt, dass Westsachsen, wozu Waldenburg gehörte, von Bauern aus Thüringen und dem Rheinland besiedelt worden war. Da auch in Siegburg / Rheinland die Töpferei sehr alt ist, besteht die Möglichkeit, daß unsere alten Waldenburger Töpfer von dort stammen.
Die Siegburger Töpfer haben Urformen römischer Töpfer übernommen. Die alten Waldenburger Töpfer berichteten, dass auch ihre Töpferwaren Anklänge an römische Keramik hatten.
Auch in unserer heutigen Zeit erkennt man, für die in verschiedenen Werkstätten hergestellten Keramiken, Ansätze zu alten römischen Vorbildern. Dabei spielt auch heute der Gebrauchswert eine große Rolle.

Arten der Töpfer

Die ersten Töpfer Waldenburgs haben - wie wohl keinem Zweifel unterliegt - anfänglich nur Geschirr und Gefäße fürs Haus und die Küche hergestellt. Erst später - im 15., hauptsächlich im 16. Jahrhundert - kam die Herstellung von Gefäßen und Retorten für technische Zwecke - insbesondere dem Bergbau und die Schmelzhütten - dazu. Um jene Zeit wird auch zuerst die Anfertigung von Öfen erfolgt sein und zuletzt schloss sich die Herstellung von Tontabakspfeifen an. Zur Anfertigung von Gefäßen und Geschirr wurde hauptsächlich die mit den Füßen in Bewegung gesetzte Drehscheibe benutzt.
Die Waldenburger Töpfer bildeten seit etwa Anfang des 16. Jahrhunderts im Bezug auf die Herstellung ihrer Waren 3 Gruppen: die Hartgefäßbrenner oder Flaschentöpfer, die Geschirr- oder Glasurbrenner (mundartlich "Glesentöpfer") und die Ofentöpfer. Die 4. Gruppe, die Pfeifenmacher, reiht sich erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts an.
 

Die Waldenburger Töpfer
  

Die ältesten Töpferfamilien, die urkundlich erfasst sind haben die Namen Hahn und Schulze. Diese sind im Jahr 1493 laut Erbzinsregister die Namen Martin, Merten Han, Nickl Han, Bartel Schultes und Cospar Schultes.

Clemens Han hat 1522 die von ihm hergestellten Krüge und Deckelkannen Wagenweise nach Leipzig und 1560/61 nach Dresden zum Verkauf geschafft.

1524 hat Hans Han Ofenkacheln nach Zwickau geliefert.

Im Verzeichnis der Töpfermeister, die 1590 Ofen- und Brennzins zahlten, finden sich die Namen Hahn einmal, Schulze fünfmal, Schmiedel einmal.

1590 wird ein Gregor Schultz, der Schultze genannt wird, erwähnt. Die Töpferfamilie Schulze hat sich sehr lange erhalten. Ein Nachkomme war Otto Hermann Schulze, der eine Ofentöpferei bis 1960 betrieb.


Erwähnung fanden weitere Töpferfamilien:
 

1609 bis 1650 Sieber, Streiche, Vieweg, Körner, Schmiedelt, Hänsgen, Hoppe und Hübler
1651 bis 1750 Körner, Schulze, Bauch, Lindner, Tauscher, Steinbach, Chares, Heinzinger, Sieber, Resch, Schneider, Hoppe und Schmiedelt
1751 bis 1850 Schindler, Sieber, Bauch, Chares, Resch, Zeisig, Mann und Funke
1810 bis 1868 waren zum großen Teil die Familien Chares mit vier Brüdern und Bauch in Waldenburg für die Töpfereien bestimmend
ab 1868 werden die Familien Chares fünfmal, Gledisch und Hänsgen viermal, Resch, Schulze, Sieber und Wild zweimal in Waldenburg tätig.

Im Jahr 1781 gab es in Waldenburg 44, 1798 36, 1826 30, 1876 19, 1895 12, 1936 8 und 1968 waren es noch 4 Werkstätten.